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Tourenbericht

Der Bodensee-Königssee-Radweg

12.06.2005 01:00:00 von Ralf Schmidt

Eine Traumtour vom Königssee zum Bodensee

Wir fuhren diesen Radweg vom Königssee zum Bodensee

St. BartholomeoObwohl es Bodensee-Königssee-Radweg heißt sind wir vom Königssee zum Bodensee gefahren. Wir wollten anschließend auch noch den Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg, beginnend in Radolfzell, fahren. Von daher haben die beiden Routen in entgegengesetzter Richtung geplant.
Der Bodensee-Königssee-Radweg ist landschaftlich sehr reizvoll. Die Wege sind überwiegend asphaltiert und gut ausgebaut. Bis auf ein paar Ausnahmen ist die Beschilderung ist gut bis sehr gut. Bei Steigungen haben wir entgegenkommende Radfahrer getroffen, ihre Räder samt Gepäck den Berg hochschiebend. Unterkünfte auf der Strecke werden ausreichend angeboten, die meisten davon waren »Frei« gekennzeichnet, was wohl auch an der Jahreszeit lag. Vier Wochen vor Beginn der Sommerferien ist in dieser Gegend noch nicht viel Tourismus. Auch sollte man sich um diese Jahreszeit (Anfang Juni) in dieser Region auf Regen einstellen. Die Monate mit dem geringsten Niederschlag sind September und Oktober. Kleineren Kindern und ungeübten Radfahrern ist dieser Weg nicht unbedingt zu empfehlen. Gilt es doch, ca. 3500 Höhenmeter zu überwinden.

1. Etappe

Schönau - Grassau (ca. 93 Km)

Blick auf die "Schlafende Hexe"Heute begann der erste Tag unserer Radtour. Es regnet. Eigentlich würden wir lieber wieder auf unser Zimmer zurückgehen. Dann würden wir die Tour aber nicht schaffen. Also fuhren wir im Regen los. Von Schönau ging es erstmal bergab nach Berchtesgaden. Dort angekommen ging es dann bergauf ins Zentrum. Hier konnten wir einen Vorgeschmack auf die vor uns liegenden Höhenmeter und Anstiege bekommen. Weiter nach Bad Reichenhall radelten wir rauf und runter, immer noch im Regen. Der Radweg ist gut ausgeschildert. Nachdem wir Bad Reichenhall erreicht hatten hörte der Regen dann endlich langsam auf. Über Piding und Anger ging es auf hügeligen Bewirtschaftungswegen nach Traunstein. Dort fuhren wir die Traun flußaufwärts nach Siegsdorf. Hier fehlte die komplette Beschilderung. In der Touristikinformation bekam ich einen Ortsplan, wie wir wieder auf den Radweg kommen. Die Beschilderung wird komplett erneuert und die alten Schilder wurden schon abgenommen. Hinter Siegsdorf ging es an einer Sprudelwasserfabrik den Berg hinunter in ein weites flaches Tal nach Bergen. Der Radweg geht entlang des Straße über Grassau nach Bernau. Da hier alles flach war, erreichten wir auch schnell Grassau. Wir wollten im 3,5 Kilometer entfernten Rottau übernachten und ließen uns ein Zimmer auf einem Bauernhof von der Touristikinfo in Grassau reservieren. Als wir auf dem Bauernhof ankamen sollte das Zimmer plötzlich 5 Euro/Person wegen eines (Mini)Fernsehers mehr kosten! Also suchten wir weiter per Handy. In Rottau wollte keiner der Vermieter an Radler ein Zimmer für eine Nacht vermieten, so suchten wir in Grassau eine Pension die wir auch dann schnell fanden. Dafür mussten wir allerdings 3,5 Km wieder zurück.

2. Etappe

Grassau - Gmund (ca. 92 Km)

Bahnhof GmundAls wir heute nach Bernau aufbrachen kamen schon die ersten Sonnenstrahlen durch. Es versprach ein schöner Tag zu werden. Wäre nur nicht der Gegenwind gewesen, der uns schon auf den ersten Kilometern teilweise kräftig ins Gesicht blies. Die Tourenstrecke darf man durchaus als sehr hügelig bezeichnen. Der erste größere Hügel kam kurz hinter Bad Feilnbach. Er zog sich bis Niklasguth mit größtenteils > 7 % Steigung. Am Schluss waren es nur noch ca. 5% Steigung. Hinter Fischbachau verließ uns das Glück der sonst sehr guten Ausschilderung. Wir sahen kein einziges Schild für unsere Fahrtrichtung. Vielmehr haben wir uns an den Schildern der Gegenrichtung orientiert und die Richtung der Streckenführung entsprechend interpretiert. Den Schliersee erreichten wir über die Hauptstraße. Wir umfuhren den See im Uhrzeigersinn obwohl ein Radwegschild (nicht das Bodensee-Königssee-Schild) einen anderen Weg zeigte. Bis nach Hausham bekamen wir ein herrliches Landschaftsbild und fantastische Ausblicke geboten. Nach Hausham begann der zweite längere Anstieg. Er führte uns auf Schotter- und Waldwegen nach Gmund. Seine Steigung war im Schnitt bei ca. 7%. Die Abfahrt zum Tegernsee war flacher und auch länger. Einfach ein Genuss ist es, während des "Runterrollens" sich die herrliche Landschaft anzuschauen. In Gmund suchten wir uns ein Quartier, das sich schnell fand.

3. Etappe

Gmund - Bad Kohlgrub (ca. 93 Km)

Blick über den HopfenseeAuch heute morgen konnten wir uns schon an den Sonnenstrahlen erfreuen als wir losfuhren. Hinter Gmund ging es nach rechts abbiegend einen Hang hoch. Dahinter erschien eine wunderschöne natürliche Landschaft mit kleinen Dörfern wie z. B. Finsterwald. Hier verloren wir leider auch wieder die Radwegbeschilderung. So fuhren wir auf der Hauptstraße nach Hausdörfl und von dort nach Marienstein. Erst hier trafen wir wieder auf eine Beschilderung für unsere Richtung. Eine lange und teilweise auch rutschige Abfahrt brachte uns nach Bad Tölz. Anschließend ging es leicht, aber stetig, ansteigend weiter nach Benedikt Beuren. Der weitere Weg über Kochel a. See nach Großweil führte übers »Moos«. Flach und an der Hauptstraße entlang. Es setzte sich weiter fort über Ohlstadt bis nach Eschenlohn. Ca. 3 Kilometer hinter Eschenlohn kam ein weiterer »Hügel«. Die Steigung schwankte zwischen 3 - 7% und brachte uns nach Bad Kohlgrub. Zwischendurch genossen wir die herrliche Aussicht auf das »Murnauer Moos«. Eine weitere Tagesetappe war geschafft.

4. Etappe

Bad Kohlgrub - Rettenberg (ca. 98 Km)

Blick auf den RottachseeBei unserer Abfahrt schien schon wieder die Sonne. Zuvor hatten wir ein gutes Frühstücksbuffet genossen und auch sonst eine sehr nette Unterkunft gehabt. Dieser Tag musste einfach gut werden. In Saulgrub stand mal wieder ein Bodensee-Königssee-Radweg-Schild. Natürlich wieder für die Fahrtrichtung in die wir nicht fuhren. In der Touristikinfo erklärte mir eine nette Dame wie der Radweg wahrscheinlich verläuft. Denn sie kannte den Weg selbst nicht. Bis Altenau funktionierte die Beschreibung auch. Und dann verließen die Schilder einen gänzlich. So landeten wir wir zuerst in Peustelsau, weil wir die asphaltierte Straße fuhren. Nachdem wir an der Abzweigung wieder zurück waren, fanden wir in 100 Meter Entfernung am Anfang des Waldes einen Holzpfahl, der sich dann aus der Nähe betrachtet als Wegweiser entpuppte. Da allerdings nur Rundwege ausgeschildert waren, fehlten uns die Informationen wo unser Radweg langläuft. Aber einen Richtungshinweis, die Wallfahrtskirche »Wieskirchen«, hatten wir wenigstens. Diesem folgten wir in den Hochwildfeuer Berg. Auf knapp 1200 Höhenmeter nach stetigem Bergauffahren kamen mir mittlerweile große Bedenken, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen hatten. Die nächste Abzweigung die nach unten führte, war unsere! Egal wo wir jetzt rauskommen. So steil wie es raufging, führte der Waldweg uns wieder nach unten. Und plötzlich standen wir an einen Schotterweg. Und ein Radreisender fuhr uns entgegen. Nach einem kurzen Gespräch wussten wir, das wir wieder auf dem richtigen Weg sind. Wir hatten die »Abkürzung über den Berg« genommen. In Oberreithen begann dann wieder eine sehr gute Ausschilderung. So sahen wir Schloss Neuschwanstein schon von weitem und später dann auch noch die Unimogs, die die Besucher ins Schloss hochkarrten. Kurze Zeit danach fuhren wir in Füssen auf ca. 3-4 Meter breiten Radwegen! Diese gab es dann auch noch für beide Fahrtrichtungen. So etwas hatten wir noch nie gesehen. Anschließend ging es übers »Moos« nach Hopfen a. See (Fantastische Kulisse!), die Hügel wieder hoch nach Hopferau und Eisenberg bis nach Zell. Die anschließende Abfahrt nach Nesselwang war auch nicht schlecht. Bis nach Oy (956 Meter ü. NN.) mussten wir wieder den Berg hoch. Immer leicht ansteigend und zwischendurch kleinere »Rampen« mit > 10% Steigung. Die Entschädigung der Strapazen hatten wir dann mit der schönen Aussicht auf den Rottau-Stausee. Zum Abschluss des Etappe hatten wir ein langes Ausrollen über Vorderburg und Kranzegg bis nach Rettenberg. Hier fanden wir eine tolle Pension und Pizzeria »Cacciatore«.

5. Etappe

Rettenberg - Gohren (ca. 92 Km)

Kurz vor Lindau am BodenseeVon der heutigen und letzten Etappe des Bodensee-Königssee-Radweges erwarteten wir eigentlich das es nur bergab geht. Als wir aufbrachen, hatten wir auch schon die erste längere Abfahrt zum Einrollen und Warmwerden. In Immenstadt angekommen, kamen wir auf den ASALZ-Radweg. Er verläuft mit den Bodensee-Königssee-Radweg ein Stück lang parallel. So kamen wir zum Alpsee, den wir auf der rechten Seiten umfuhren. Die Strecke führte uns nach Oberstaufen und danach wieder auf den ersten Hügel des Tages. Hier trennen sich die Radwege wieder. Wir fuhren bergauf und bergab über einige kleinere, teilweise sehr verträumte Dörfer bis nach Gestratz. Dort verdrückten wir ein Pfund frische Erdbeeren während einer kleinen Pause, die wir am Straßenrand von einem Bauern frisch gepflückt, gekauft hatten. Dann ging es weiter nach über Hergatz und noch anderer Dörfer nach Hergensweiler. Die Abfahrt nach Sigmarszell und dann weiter nach Lindau war wirklich schön. Nur schade, das man den Bodensee nicht aus den Höhen sehen konnte. Entweder war die Sicht so schlecht oder man kann ihn wirklich nicht sehen. In Lindau angekommen suchten wir den direkten Weg zum Bodenseeradweg. Es war deutlich spürbar das der Tourismus hier bis ins letzte Detail eingezogen ist. Der weitere Weg nach Wasserburg war schon fast ein Slalom zwischen Fußgängern, 5-10 km/h fahrenden Radfahrern und Hundebesitzern mit 5 Meter ausgerollten Hundeleinen. Als wir daraufhin beschlossen die Straße zu nutzen, um unser Unfallrisiko drastisch zu minimieren, wurden wir prompt von einem Porschefahrer angehupt. Hinter Nonnenhorn wurde es dann endlich etwas ruhiger. Da wir unser Etappenziel schon erreicht hatten, beschlossen wir, uns ab Gohren eine Unterkunft zu suchen, obwohl es noch recht früh am Nachmittag war. Und wir hatten wieder Glück. Die erste Pension hatte ein nettes Dachgeschoßzimmer mit kleiner Terrasse frei. So konnten wir uns nach dem Duschen sogar noch auf der Terrasse sonnen.

6. Etappe

Gohren - Markelfingen (Erholungsetappe ca. 61 Km)

Deutschlandkarte in Blumen auf der Insel MainauHeute wollten wir zur Insel Mainau. Es war ein »Erholungstag« angesagt. Die erste Fähre ging um 10:00 Uhr, die nächste erst wieder um 11:00 Uhr. Von daher beeilten wir uns, als wir um 8:30 Uhr losfuhren. Frühstück gab es erst ab 8:00 Uhr und dann lagen auch noch 35 Km zwischen uns und der Fähre in Meersburg. Der Radweg war um diese Zeit noch fast leer sodass wir sehr gut durchkamen. Für die erste Fähre des Tages reichte es dennoch nicht mehr. Wir kamen erst nach 10 Uhr an. So hatten wir noch genug Zeit uns die »Flaniermeile« etwas näher anzusehen. Er war schwer, mit dem Rad an den ganzen Touristen, die Massenweise mit Omnibussen dort angekarrt werden, auf der Straße vorbei zu kommen. Beim Fahrkartenkauf erfuhren wir, daß unsere Räder nur im »Shuttle-Service« aufgeben können. Auf der Insel darf man nicht mit dem Rad fahren. Wir hätten unsere Räder nach dem Besuch wieder am Eingang abholen können. Jedoch wurde uns auch davon abgeraten, da wir den Anhänger mit dem Gepäck dabei hatten. Uns wurde die Autofähre empfohlen, die wir dann auch nahmen. Es war ein sehr guter Tipp. Wir sparten neben den 40 Minunten Wartezeit auf die nächste Fähre auch noch 5 Euro Transportkosten. Vor dem Eingang zur Insel galt es dann das nächste Hindernis zu meistern. Die Tasche des Bob-Yaks passte nicht in die Schließfächer, die extra für Touristen mit Reisegepäck installiert wurden. Übrigens, kostenlos! Die Lösung brachte ein nettes Gespräch mit einem Kartenkontrolleur und danch mit einem Mann des Wachdienstes. Wir durften unsere Tasche neben seinem Arbeitsplatz abstellen. So konnten wir die fantastische Botanik der Insel bestaunen. Es war schon grandios, was die Landschaftsgärtner dort alles geschaffen haben. Nach einer Tasse Kaffee die wir zum Abschluß tranken, machten wir uns auf den Weg nach Richtung Radolfzell. Der Weg ließ sich gut fahren und war auch gut ausgeschildert. Allerdings nicht so flach, wie ich es lt. der Karte vermutet habe. In Markelfingen fanden wir eine Pension "See Torkel" in der wir nach dem Genuß eines leckeren Fisches übernachteten.

Danksagung:

Wir möchten unseren Dank Herrn Frank Arens vom Wachdienst (WSH) aussprechen, das er unsere Reisetasche beaufsichtigt hatte. Hätten wir diese Möglichkeit nicht gehabt, wären uns die schönen Bilder der Insel vorenthalten geblieben.

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